Gotik



Um 1140 in der Ile-de-France entstanden, verbreitete sich die Gotik schnell in allen Ländern Europas, wo sie jedoch in Intensität und Dauer variierte, spätestens aber mit dem Beginn des 16.Jahrhunderts ein Ende fand.

Die Architektur ist vor allem durch Spitzbögen, Kreuzrippgewölbe und Doppelturmfassaden gekennzeichnet. Als Grundriss der Kirchengebäude bleibt die ursprünglich römische Basilika erhalten, jetzt jedoch wird ihr Innenraum nicht mehr als eine Summe von Einzelräumen, sondern als Raumeinheit begriffen. Zum ersten mal werden die Lichtverhältnisse innerhalb der Kirche in den Interessenmittelpunkt gerückt, dank dessen eine homogene Helligkeit durch die Baukunst unterstützt wird.  Typisch für den gotischen Baustil sind Spitzbögen, die eine stärkere vertikale und durchbrochene Gliederung der Mauern bedingen, wodurch das Bauwerk an Leichtigkeit gewinnt. Mit zunehmender Bauerfahrung nahmen die Bauwerke gigantische Ausmaße an, wie die Kathedrale von Beauvais, die 1284 auf Grund statischer Mängel  leider einstürzte. In England entwickelte sich die Gotik in eine etwas andere Richtung – die Gliederung der Horizontalen, wie auch eigenständig entwickelte Dekorationssysteme sind charakteristisch. Andere europäische Länder, wie Deutschland und Italien, waren hingegen gegenüber der Gotik-Euphorie zurückhaltend.

Die Skulpturen der Gotik variieren in ihrer Typisierung, je nach dem ob es sich um die frühe Gotik mit ihren strengen Vorgaben handelt oder die Spätgotik die einige Lockerung, z.B. in der Haltung der Figuren mit sich brachte. Im 14 Jhd. gewann die Grabplastik, die eine möglichst hohe Porträtähnlichkeit aufweisen sollte, größere Bedeutung. Großer Beliebtheit erfreuten sich außerdem sehr detailliert gearbeitete Kirchenportale, die sowohl Szenen aus dem Alten und Neuen Testament, als auch Figurenzyklen darstellten.

Bisher war die Plastik stark an Architektur gebunden, im 14.Jahrhundert aber sollte sich diese enge Bindung unter dem Einfluss der Mystik lösen, wie in Andachtsbildern zu beobachten ist.

Mit den architektonischen Neuerungen der Gotik, ergaben sich auch für die Maler neue Wege kreativen Schaffens – die Glasmalerei lief zu ihrer Höchstform auf, da durch die neue Bauart der Kirchen, die Wandstruktur nunmehr Platz, wie auch bessere Lichtverhältnisse gewährleisten konnte. Neben der Glasmalerei, nahm die Buchmalerei eine bedeutende Stellung innerhalb der Künste ein, so dass sie zunehmend nicht nur bei heiligen Texten, aber auch profanen gestattet wurde.

Das Tafelbild ist eine Errungenschaft der Gotik und gehörte bereits in der zweiten Hälfte des 14.Jhd. neben der Buchmalerei zu den Königsdisziplinen der Epoche. Nicht zu letzt auf Grund der frankoflämischen Buchmaler entwickelte sich ein neuer Wirklichkeitssinn in der Kunst, welcher die Grundlage für spätere Landschafts- und Genremalerei setzte. Typisch für die Malerei der Zeit ist der „leuchtende Effekt“ der Bilder, hervorgerufen durch die schichtweise aufgetragene Ölfarbe und die daraus entstehenden Lasuren. Die Bezeichnung des neuen Wirklichkeitssinns ist durch die äußerst detaillierte Erfassung des Gemalten, einen individualisierten Darstellungsstil und die greifbar scheinenden Bildgegenstände begründet.

In Italien entwickelte sich die Gotik anders, die Wandstruktur unterlag nicht so tiefgreifenden Veränderungen wie z.B. in Frankreich, wodurch zwar nicht mehr Platz für Glas, dafür aber Fresken, wie die von Giotto, geschaffen wurden. Dieser Stil sollte bis zur Renaissance anhalten – ein konsequent konstruierter, eindeutig begrenzter Bildraum, der von äußerst sinnlichen Figuren belegt wurde, die in ihrer Anzahl auf ein wesentliches Minimum beschränkt waren.